!Bienvenido en Uruguay!

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Sonntag, 12. Oktober 2014

Umgebung, Kultur, Land & Leute

...heute zum Thema Familie und Freunde.


Zuerst einmal zur Familie...

Nachdem ich mich mittlerweile gut in die Gastfamilie eingelebt habe fällt mir vieles im Alltag leichter, was nicht zuletzt auch mit meinen Sprachfortschritten zu tun hat.
Zum Beispiel Zeitformen, die ich früher zwar trocken und sicher auf dem Papier anwenden konnte, gelangen mir im Umgang überhaupt nicht. So war es in Chats mit hiesigen Freunden stets einfacher zu kommunizieren als beim Sprechen. Mittlerweile hab ich diese Hürde auch gemeistert und kann (die meisten) Zeitformen zumindest sicher auch im Umgang anwenden.

Bei meinem Aufbruch nach Uruguay, ging ich ehrlich gesagt mit der Erwartung hierher, dass Familie und Herzlichkeit deutlich größer geschrieben wird. Meine Erwartungen bezüglich der Herzlichkeit haben sich im weitesten Sinne bestätigt, was Familie jedoch anbelangt, bin ich eher ein bisschen enttäuscht.

Jeder kennt natürlich das Vorurteil vom steifen kalten Deutschen, bei dem alles strikt nach Plan laufen muss, Beruf und Karriere an erster Stelle stehen und Familie eher zweitrangig ist.
Genauso bin ich mit dem Vorurteil nach Uruguay gegangen, dass hier eben Familie an oberster Stelle steht und auch bei finanziellen Problemen als erstes das "familiäre Hilfsnetzwerk" greift. Dieses Vorurteil hat sich auch bei meiner VBT (Blogeintrag im Archiv) und auch bei meiner sonstigen Recherche auf Blogs vorheriger Austauschschülern weites gehend bestätigt. Umso verwunderter bin ich hier vor Ort.

Natürlich behandelt man Familie hier im Umgang und im Alltag auch nicht anders als bei uns. Aber anstatt wie erwartet, dass man hier öfter Mal die Familie, wie Omas, Opas, Tanten, Onkel Cousins und Cousinen öfter einmal besucht oder auch Aktivitäten mit ihnen plant, ist es hier so, dass so ziemlich die halbe Familie, die hier im Ort wohnt für meinen Gastvater arbeitet und vom ihm bezahlt wird. Ein Umstand, dem ich schon immer eher kritisch gegenüberstand. Meine Tante ist zum Beispiel die bezahlte Hausangestellte. Mein Gastonkel arbeitet als einer der Ladenangestellten und verfrachtet die Waren, macht Besorgungen auf dem Großmarkt usw. . Natürlich sind sie dadurch immer hier im Haus oder zumindest in der Nähe (der Onkel kommt immer zum Mittagessen), aber ein herzliches Familientreffen stelle ich mir anders vor.

Ein Vorteil ist natürlich, dass, bis auf die studierenden Gastschwestern und Gastbrüder, alle noch lebenden Verwandten hier im Ort wohnen. Das erleichtert schon einmal theoretisch den Besuch. Aber der Besuch sieht hier eher so aus, dass er meistens geschäftlicher Natur ist.

Aktivitäten mit der engsten Familie (Mutter, Vater, Kinder) erübrigen sich hier zum Einen durch die Größe des Ortes, da es hier einfach kaum, bis keine Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten gibt, die über Fußball hinaus gehen, und zum anderen daran, dass mein Gastvater und meine Gastmutter von 8:00-19:30 außer Haus sind zum Arbeiten (Ausnahme ist das Mittagessen um 12:00). Wenn sie dann nach Hause kommen, zieht sich der Gastvater in sein Zimmer zurück, um zu arbeiten und meine Gastmutter geht zum Aerobic. Somit ist der einzige Zeitpunkt an dem ich, bis auf meinen Gastvater, alle einigermaßen versammelt zum essen bzw. im Wohnzimmer sehe, gegen 23:00 zum Abendessen.

Das ist insbesondere für meinen Gastbruder ein wenig unglimpflich, da seine einzige Beschäftigung xBox-Spielen ist. Selbst mit Freunden trifft er sich nur, um xBox zu spielen (für die, die es nicht wissen: xBox ist eine Konsole für Videospiele von Microsoft). Floglich komme ich auch nicht drum herum mit ihm ab und zu xBox zu spielen, was sobald ich sage, dass ich keine Lust mehr hab, in einem Chaos endet :D.

Das hört sich jetzt alles natürlich sehr negativ an, ist aber glaub ich alles ein wenig dem Umstand geschuldet, dass mein Gastvater geschäftlich im Ort viel tätig ist und dementsprechend viel zu tun hat. Ich frage mich zwar immer noch, wieso er alles handschriftlich macht und selbst Dokumente lieber abschreibt, anstatt sich einen Kopierer anzuschaffen, für den er das Geld auf jeden Fall hätte, aber es ist ja ihm überlassen :D


Nun zum Thema Freunde...



Mein anfänglich gefundener Freundeskreis hat sich komplett geändert...
mein "alter" Freundeskreis
Das hatte den Grund, dass diese Freunde irgendwie ein wenig langweilig waren. Das meine ich in der Hinsicht, dass sie sich außerhalb der Schule irgendwie nie so wirklich treffen wollten und auch abends auf dem Platz, wo sich so ziemlich alle immer treffen, waren sie nie aufzufinden. Außerdem nervte es mich mit der Zeit, dass sie mir irgendwelche Schimpfwörter beigebracht haben. Das war am Anfang vielleicht ganz witzig, wenn es immer hieß: "Sag ..... und ...... ." Aber irgendwann wurde es einfach nur kindisch.

Was mich ebenfalls gestört hat war, wenn man sich verabredet hat um eine bestimmte Zeit, aber der andere Partner dann einfach gar nicht kommt. Ich hab zwar mittlerweile begriffen, dass diese Zeit NIE eingehalten werden, aber wenn man GAR NICHT kommt, kann man doch zumindest eine SMS schreiben oder irgendwie kurz Bescheid geben, dass man nicht kann. Ich hab ja überhaupt nichts dagegen, wenn man nicht kann aus irgendeinem Grund, es ist zwar schade, aber wenn man nicht kann, dann kann man eben nicht. Aber ich erwarte zumindest, dass man dann irgendwie Bescheid sagt, weil man über den Tag hinweg 5 anderen Personen abgesagt hat, damit man sich mit ihm/ihr treffen kann. Ich hab dann mit der Zeit meine Gastfamilie gefragt, ob das hier auch normal ist, aber selbst die hat gesagt, dass es unüblich und frech ist.

beim Übernachten mit "Juanchi"
Deswegen hab ich eher von diesen "Freunden" distanziert und habe über die Gincana (Blogeintrag folgt) neue zuverlässige Leute kennengelernt. Mit denen verstehe ich mich extrem gut, sich zu treffen klappt auch problemlos. Sie haben mich in der Zeit, in der ich jetzt krank war auch zwei Mal besucht, gefragt wie es mir geht und gute Besserung gewünscht. Einer von ihnen hatte auch neulich Geburtstag und hat mich direkt eingeladen. Mit einem anderen kann ich zusammen Gitarre spielen und singen, was ich ehrlich gesagt schon ziemlich vermisst habe. Ich bin auf jeden Fall total glücklich mit meinen "neuen Freunden".

auf einer Geburtstagsfeier
Was macht man hier mit Freunden ?
Also meistens trifft man sich mit Freunden hier eher abends so gegen 19:00-20:00 Uhr auf den Platz, um Mate zu trinken. Dabei redet man zwar nicht unbedingt viel aber es ist besser als gar nichts zu tun und kann auch ganz nett sein, einfach nur da zu sitzen und den Abend zu genießen.

auf dem Platz mit Santi
Generell macht man hier mehr mit Freunden als mit der Familie, aber leider ist man hier auch mit den Freunden aufgrund des kleinen Ortes sehr beschränkt, was größere Aktivitäten angeht. Viele fragen mich deshalb immer wieder, ob es mir hier nicht zu langweilig ist, weil viele wohl einfach nur aus Tranqueras weg wollen, sobald sie 18 sind. Natürlich ist es in der Hinsicht für mich langweilig hier weil es auch kaum Sport-Angebote gibt, aber andererseits, ist es eine vollkommen neue Erfahrung für mich und allein dieser andere Lebensstil und diese extreme Veränderung im Vergleich zu Deutschland, macht es interessant für mich. Viele verstehen diese Begründung nicht wirklich, weil sie mich immer wieder fragen, wie ich dieser "Abstufung" von Hamburg/Rellingen nach Tranqueras nur zustimmen konnte :D Aber im großen und ganzen gefällt es mir ja letztendlich.










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