Heute zum Thema Schule.
Ersteinmal man kann meinen Eintrag über die Schule nicht pauschal auf ganz Uruguay übertragen, da erstens natürlich jede Schule individuell ist und zweitens die hiesige Schulsituation, mit der Größe und Abgelegenheit meines Ortes zu tun.
Die Schule hat hier ,aufgrund ihrer geringen räumlichen Kapazitäten, eine Morgen- und eine Abendschicht. Dies dient dazu die Menge an Schulern, die zur selben Zeit für ihren Unterricht im Gebäude sind, zu kompensieren. Die Morgenschicht beginnt regulär um 7:45 und endet um 12:20. Die Abendschicht beginnt soweit ich weiß um 15:30 und endet um 18:00.
Ich habe Unterricht in der Morgenschicht und gehe hier in die vierte Klasse, was nach G8-System in Deutschland der zehnten Klasse entspricht. In meiner Klasse sind, trotz der aufgeteilten Schichten immernoch rund 30 Schüler, was sich aber selbst ohne Beteiligung der Schule kompensiert, da ich es noch nie erlebt habe, dass die Klasse komplett anwesend war.
Wie gesagt beginnt der Unterricht "offiziell" um 7:45. Zu dieser Zeit ist allerdings noch so gut wie gar keine Person in der Schule. Die meisten kommen so gegen 8:00, aber auch nur die, die zur ersten Stunde kommen, was im durchschnitt ca. 10 Schüler sind. Die Lehrer trudeln dann meist auch so gegen 8:00-8:15 ein. Anscheinend ist die kulturell chronische Unpünktlichkeit auch in der Schule verbreitet. Soviel zum Thema Pünktlichkeit.
Mit den ca. 10 anwesenden Schülern in der ersten Stunde habe ich es schon angedeutet, dass die Unterrichtsbeteiligung, bezogen auf die Anwesenheit der Schüler, auch eher gelassen gesehen wird.
Dies gilt allerdings nicht nur für die Schüler sondern auch insbesondere für die Lehrer, die praktisch ständig fehlen oder erst im laufe des Tages kommen. Dies mit teilweise den selben lächerlichen Ausreden, die man in Deutschland eigentlich nur von Schülern kennt. Wie z.B. : "Ich habe einfach verschlafen.", "Mein Wecker hat nicht rechtzeitig geklingelt.", "Es hat draußen gerade heftig geregnet.", etc... .
Insofern kann ich viele Schüler durchaus nachvollziehen, wenn sie sagen, dass sie aus Prinzip zu Hause bleiben, weil die Lehrer sich auch nicht darum kümmern, ob sie pünktlich anwesend sind, oder nicht. Zumahl es nicht selten vorkommt, dass man zur ersten Stunde in der Schule sitzt und einem erst vor Ort mitgeteilt wird, dass die Lehrer für die nächsten paar Stunden fehlen. Hierbei kann man nichtmal der Direktion die Schuld geben, da die Lehrer sich immer erst an dem Morgen kurzfristig krankmelden. Möglicherweise liegt die mangelnde Motivation auf Seiten der Lehrer auch daran, dass viele Lehrer aus der nächstgrößeren Stadt und Provinzhauptstadt Rivera kommen, von der aus es ca. eine Stunde Autofahrt bis hierher sind. Natürlich muss man dann früher aufstehen, aber an der Stelle kann ich herzlich wenig Mitleid aufbringen, da sie sich den Beruf schließlich ausgesucht haben und letztendlich deren Fehlen, den Schülern zum Nachteil wird. Die Unterrichtsinhalten an sich sind, soweit ich es bis jetzt feststellen konnte, nämlich ziemlich gut, es fehlt einfach nur an Ernsthaftigkeit, Kontinuität und Unterrichtsdisziplin.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Erfolgsquote der Schüler, die die Versetzung schaffen. Normalerweise ist mein Alter (15 Jahre), das Alter mit dem man regulär in meinem jetzigem Jahrgang ist. In meiner Klasse habe ich allerdings nur ca. 8 gleichaltrige Mitschüler. Der Rest ist älter. Der Älteste ist 18 Jahre alt. Eine Ausnahme bildet hierbei eine Mutter, die die Schule nachholen will.
Das also zur Unterrichtssituation...
Wie bereits angedeutet ist das Unterrichtsniveau durchaus gut. Hier gibt es mehr oder minder die gleichen Schulfächer, wie in Deutschland, mit den Ausnahmen, dass unser Schulfach "Deutsch" hier "Literatur" heißt und es das Fach Astronomie gibt. Wofür ich wirklich dankbar bin, dass mir dieses Fach zu Hause erspart bleibt. Welches Fach hier eindeutig fehlt ist Wirtschaft & Politik, in dem natürlich auch unter anderem Medienkritik und Medienkompetenz behandelt wird. Dies fehlt hier meiner Meinung nach auch eindeutig im Alltag. Wenn ich hier Nachrichten sehe und die daraus resultierende Reaktion meiner Gastfamilie merke ich doch, das hier einfach die Meinung der großen Fernsehsender akzeptiert wird, ohne noch einmal etwas tiefgründiger darüber nachzudenken.
Im Umgang mit Computer und Internet fehlt es eindeutig an Aufklärung über die Gefahren im Netz und wie man sich davor schützt. Zum Beispiel der Umgang mit Virenschutzprogrammen, Datenschutz in (a)sozialen Netzwerken und zwielichtigen Websites bzw. Verlinkungen.
Der Unterrichtsaufbau ist relativ altmodisch: Der Lehrer erzählt etwas, dann liest er was vor, die Schüler müssen es abschreiben und Unterrichtsende. Meiner Meinung nach nicht das effektivste, weil man merkt wie die Motivation, Aufmerksamkeit und das Interesse der Schüler von Minute zu Minute sinkt. So beschwert sich hier auch kein Lehrer über piepsende Handys, darüber, dass ein Schüler im Unterricht mit Kopfhörern Musik hört oder etwas ganz anderes macht. Solange es den Unterricht nicht gänzlich stört, liegt es in der eigenverantwortung des Schülers, inwieweit er dem Unterrichtsverlauf folgt.
Generell möchte ich hier zum Abschluss einen Lehrer zitieren: " Schule ist hier in Tranqueras eher obligatorisch."
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